Gebete für die Welt

Nächstenliebe und Verantwortung

Zwei Paar Schuhe

Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst, auch wenn er anders ist als Du: eine der zentralsten Botschaften eines Gebets.

Bild: ruewi / photocase.de

„Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind!“ (Sprüche 31,8). Wer sein Herz im Gebet für andere öffnet, wird auch im alltäglichen Leben Verantwortung übernehmen.

Selbst meinen Teil dazu beitragen

Lieber Gott, du Herr der Welt! Stärke alle ehrlichen Bemühungen in Politik und Wirtschaft, in Gesellschaft und Kirche, zu einem gerechteren und liebevollen Miteinander beizutragen. Lass auch mich selbst meinen Teil dazu beitragen und nicht nur anderen ihre Verantwortung vorhalten. Wo ich kann, lass mich die Stimme Jesu hören und eintreten für die, die keine Stimme haben, um ihre Rechte einzufordern: Alte und Kinder, Arbeitslose und Überarbeitete, Kranke und Sterbende. AMEN.

Mit Gottes Augen sehen

Lass mich an diesem Tag nur einen Menschen wirklich ansehen, der unter der Last und den Anforderungen des Lebens leidet, der am Fragen ist nach Sinn und Ziel des Lebens. Lass ihn mich ansehen mit deinen Augen, den liebevollen Augen, die Horizonte eröffnen und Wege zeigen. AMEN.

Lehre uns deine Weisungen, Herr!

Gütiger Gott, der du uns gute Tage schenken und das liebende Leben bereiten willst.
Unser Auftrag ist von dir, lass uns mit ganzem Herzen, ganzer Seele und all unserer Kraft die Menschen lieben, die du uns anvertraust.
Lehre uns deine Weisungen, Herr

Gib uns ein gutes und schützendes Wort für die, die danach hungern. Lass uns achtsam sein für die leise Sprache der Stillen und Verzweifelten unter uns.
Lehre uns deine Weisungen, Herr

Gib uns einen klaren Blick für die Not der Menschen und den Mut tatkräftig einzutreten für Gerechtigkeit – hier vor unseren Augen und dort weit in der Welt: in Südafrika, Afghanistan, Tibet, Birma
Lehre uns deine Weisungen, Herr

Gib uns Liebe für alles, was wir tun. Lehre uns die Einfachheit des Herzens, auf dass wir es in Demut in deinem Namen tun.
Lehre uns deine Weisungen, Herr

Sei nahe den Menschen am Rand der Dörfer und Städte. Lass uns ihnen nahe bleiben. Wir bitten dich nicht um Erfolg, sondern um Segen.
Lehre uns deine Weisungen, Herr

Gütiger Gott, deine Augen sehen auf die Menschen guten Willens. Heilige das Verlangen unserer Herzen.
Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen geliebten Sohn im Heiligen Geist. Amen.

Autorinnen: Schwestern der Communität Casteller Ring

Wir haben das Träumen verlernt

Unser Gott, wir sind hier vor dir. Wir sehen auf unser Leben und halten es dir hin. Du verurteilst nicht, wo wir selbst uns verurteilen. Vor dir können wir unsere Lebenslügen lassen, unsere Masken ablegen. Du schreibst selbst auf krummen Zeilen gerade. Vor dir erkennen wir, was wir sonst nicht sehen wollen.

Wir sehen, daß wir das Träumen verlernt haben. Die bedrückenden und Angst machenden Nachrichten, der Leistungsdruck in unserem Leben nehmen uns die Freude. Wir sind nüchtern und kritisch. Wir sehnen uns nach kindlicher Leichtigkeit, nach Überschwang und Übermut. Zu viel Beachtung schenken wir den Unheilspropheten und Wichtigtuern. Herr, erbarme Dich!

Gott, wir erkennen: wir haben das Staunen verlernt. Wir nehmen die Schönheit dieser Welt als selbstverständlich. Als hätten wir ein Recht darauf, daß wir im Frieden leben, daß wir genug zu essen haben. Wir haben verlernt, die Herrlichkeit dieser Welt dankbar zu anzunehmen. Wir klagen dir die Leere unserer Herzen. Wir klagen dir unsere Gedankenlosigkeit. Herr, erbarme dich.

Du, Gott, hast dich längst unser erbarmt. Du führst uns in die Weite, wo wir nur um uns selbst kreisen. Du verurteilst nicht, sondern gibst die Kraft, es anders zu machen, neu zu beginnen, jeden Tag. Du hast uns erkannt, unter deinen liebevollen Augen können wir wieder träumen, singen, danken. Amen.

Martina Rogler


11.07.2014 / Anne Lüters