Gebete für den Arbeitsplatz

Mehr als nur Leistung

Viele Menschen erleben ihren Beruf als gleichzeitig bedrückend und erfüllend. Diese Ambivalenz wird im Gebet vor Gott gebracht, bei dem jeder einzelne Mensch zählt - nicht nur seine Leistung.

Vor Gott muss ich mich nicht beweisen

Ich lebe in einer Welt von Bewertungen und Zensuren. Immer muss ich Bestleistungen vorweisen. Oft sehe ich mich selbst nicht mehr vor lauter Bewertungen. Als ob das der einzige Maßstab ist, der gilt? Wie gut, dass ich vor dir wertvoll bin, wie ich bin: Mit meinen Erfolgen und meinen Niederlagen, mit meinen glänzenden Seiten, aber auch mit meinen schmerzenden Fehlern. Du gibst mir den Mut, zu mir zu stehen. Du nimmst von mir die Last, vor anderen dauernd meinen Wert beweisen zu müssen. Wie du mich ansiehst, so lass mich auch andere ansehen: Mit ihren Leistungen und mit ihrem Versagen. Mit deinen Augen. Lehre mich Deine Liebe und Barmherzigkeit. Denn von ihr lebt die Welt. AMEN.

Gott, ich freue mich auf meine Arbeit

Guter Gott, ein langer Arbeitstag liegt vor mir.
Mein Beruf verlangt viel von mir, aber er gibt mir auch sehr viel.
Ich freue mich auf diesen Tag: auf die Kollegen, neue Begegnungen, meine Aufgaben.
Ich will sie verantwortungsvoll ausführen.
Darum: Schenke mir einen klaren Blick für Wichtiges und Unwichtiges und ein feines Gespür für die Menschen, die heute meinen Dienst brauchen.
Gott, ich danke Dir. Ich weiß: Es ist nicht selbstverständlich, dass ich Arbeit habe und meinen Beruf gerne ausübe. Erhalte mir meine Freude daran.
Ich bitte dich: Hilf den Menschen, die verzweifelt nach Arbeit suchen und stehe denen bei, die unter ihrer Arbeitsstelle leiden. Amen.

Schenke uns das richtige Maß

Gott, wie kann das sein?
die einen arbeiten sich krank - und die anderen werden nicht gebraucht.
die einen wissen nicht, wohin mit der Zeit – und die anderen haben keine freie Minute.
Für die einen wäre Arbeit ein Segen – und für die anderen wird sie zum Fluch.

Gott, du hast uns die Arbeit gegeben, um Deine Welt lebenswert zu gestalten.
Hilf uns, das rechte Maß zu finden, dass alle daran teilhaben können und niemand darunter leiden muss. Darum bitten wir Dich um Jesu Christi willen Amen.

Keine Zeit mehr

Mein Gott, wie oft reicht der Alltag, bis tief hinein in die Nacht;
vertagt wird die Abendfeier, der Sonntag zunichte gemacht.

Mein Dienst verdient nicht den Namen, denn dann beherrschte er nicht...
und selbst meine Freizeit befreit mich ja nur für ein neues Gewicht.

Mein Glück heißt "Gewesen" und "Kommtnoch", die Uhr zersticht meinen Tag
in Über- und Unterstunden, betrügt mich um seinen Ertrag.

Mein Äußerstes wollte ich geben, kam innerlich aus dem Lot;
hab Hülle und Fülle benötigt, nun leb ich gefüllt mit Not.

Vorab aus: Macht, Siegfried. Der Brotbaum blüht. Lieder.... Strube Verlag, München 2014 © siegfriedmacht.de

Gebet für eine rechte Verteilung der Arbeit

zu singen nach der Melodie von „Wie soll ich dich empfangen“ (EG Nr. 11)

Was ist nur mit der Arbeit, dass sie uns, Gott, so drückt?
Zu viel dort, hier zu wenig: Das rechte Maß missglückt!
Ach, hilf uns, Herr, zu teilen die Arbeit und den Lohn
und was nicht zu verdienen, schenk uns durch deinen Sohn.

Bestrafe nicht die Erde und nimm den Kummer fort,
dass wieder Garten werde, was gartenloser Ort.
Herr, wandel du die Mühe und segne, was verflucht (vgl. Gen 3, 17-19),
lass Ruh und Arbeit finden, wer immer danach sucht.

Du hast die Welt geschaffen und uns zu deinem Bild;
wer also wollte meinen, dass Arbeit dir nichts gilt?
Du hast sie uns gegeben, sie füllt ein großes Stück
von einem Menschenleben; in ihr liegt Leid und Glück.

Die Arbeit zu gestalten, dass sie für alle reicht;
hilf uns die Welt verwalten, dass sie dem Gleichnis (vgl. Mt 20, 1-16) gleicht:
Der Markt, auf dem wir stehen, wer kommt und nimmt uns mit?
Wer wird nach allen sehen, verlangt nicht, dass wir quitt?

Wer schenkt uns immer wieder die Hoffnung auf die Zeit,
da Schwestern wir und Brüder - um uns Gerechtigkeit –
in einem Hause wohnen das wir uns nicht gebaut
und doch in Wort und Taten des Einen schon geschaut?

Siegfried Macht © siegfriedmacht.de

Bitte für alle, die arbeiten

Gütiger Gott, Du hast uns dazu gerufen, in deinem Sinn an der Gestaltung der Welt mitzuarbeiten. Aber oft finden wir nicht das richtige Maß.
Darum bitten wir dich:
Für dir Menschen, für die Arbeit zur Sucht geworden ist, dass sie den Wert von Erholung und freier Zeit wieder erkennen.
Für diejenigen, die die Freude an ihrem Beruf verloren haben, dass sie wieder ein Ziel sehen, für das es sich zu arbeiten lohnt.
Für junge Menschen, die ratlos vor ihrer Berufswahl stehen, dass sie die richtigen Entscheidungen treffen.
Für alle, die arbeitslos sind und verzweifelt nach einer Stelle suchen, dass sie den Mut nicht verlieren.
Für uns alle, wenn die Arbeit uns zu erdrücken droht: Lass uns immer wieder erkennen, dass wir nicht nur um der Arbeit willen existieren. Zeige uns immer wieder Freiräume für Visionen und Phantasie. Damit wir Dich unseren Schöpfer loben. Amen

Du kannst mein Leben ändern, Gott

Herr Jesus, Du weißt,
wie mich der Alltag abwürgt:
die Hast,
die Oberflächlichkeit,
die Gleichgültigkeit
und die Nichtigkeit.
Alles bringe ich Dir,
den ganzen Scherbenhaufen meines Lebens.
Ich glaube,
dass Du ihn umwandeln kannst
in etwas Wunderbares.
Herr, erbarme Dich meiner,
und nimm Dich meiner herzlich an,
dass ich nicht verderbe
auf dem Wege zu Dir.

Hanna Hümmer, Es ist ein Raum bei mir,
@ Christusbruderschaft Selbitz, Buch- & Kunstverlag, 2004

Wir haben das Träumen verlernt

Unser Gott, wir sind hier vor dir. Wir sehen auf unser Leben und halten es dir hin. Du verurteilst nicht, wo wir selbst uns verurteilen. Vor dir können wir unsere Lebenslügen lassen, unsere Masken ablegen. Du schreibst selbst auf krummen Zeilen gerade. Vor dir erkennen wir, was wir sonst nicht sehen wollen.

Wir sehen, daß wir das Träumen verlernt haben. Die bedrückenden und Angst machenden Nachrichten, der Leistungsdruck in unserem Leben nehmen uns die Freude. Wir sind nüchtern und kritisch. Wir sehnen uns nach kindlicher Leichtigkeit, nach Überschwang und Übermut. Zu viel Beachtung schenken wir den Unheilspropheten und Wichtigtuern. Herr, erbarme Dich!

Gott, wir erkennen: wir haben das Staunen verlernt. Wir nehmen die Schönheit dieser Welt als selbstverständlich. Als hätten wir ein Recht darauf, daß wir im Frieden leben, daß wir genug zu essen haben. Wir haben verlernt, die Herrlichkeit dieser Welt dankbar zu anzunehmen. Wir klagen dir die Leere unserer Herzen. Wir klagen dir unsere Gedankenlosigkeit. Herr, erbarme dich.

Du, Gott, hast dich längst unser erbarmt. Du führst uns in die Weite, wo wir nur um uns selbst kreisen. Du verurteilst nicht, sondern gibst die Kraft, es anders zu machen, neu zu beginnen, jeden Tag. Du hast uns erkannt, unter deinen liebevollen Augen können wir wieder träumen, singen, danken. Amen.

Martina Rogler


26.06.2014 / Anne Lüters