Zwei Kinder

Füreinander da sein - füreinander beten: das macht eine gesunde Beziehung aus.

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Allein und gemeinsam leben

In Beziehungen leben

Ob Familie, Single oder Paar – jede Lebensform hat schöne und schwere Seiten. Jeder Mensch lebt in Beziehungen, die ihm Halt geben und für die er Verantwortung hat und beten kann.

Mann allein, Blick auf See,© pixabay/pexels

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Herr, mein Gott, ich leben gerne alleine.
Frei, zu kommen und zu gehen,
meine Pläne zu verfolgen.
Frei, mich zu verwirklichen.
Frei für meine vielfältigen Beziehungen.
Hilf mir, meine Freiheit sinnvoll zu gebrauchen.
Ich möchte mich mit ganzer Kraft einsetzen, für das,
was mir am Herzen liegt.
Lass mich in meinen Beziehungen verantwortungsvoll sein.
Und nimm mir die Angst die mich manchmal vor der Einsamkeit beschleicht.
Du bist mir treu. Dafür danke ich dir.

Gott, nach so vielen Jahren allein!
Wie mich der Gedanke schreckt!
Ich habe mich auf gemeinsame Jahre gefreut.
Ich habe mich sicher und geborgen gefühlt – und nun?
Gott, wenn mich alle verlassen, lass du mich nicht allein.
Lass mich Menschen finden, die mir jetzt zur Seite stehen.

Du, Herr des Lebens,
wirst du auch mein kleines Leben hüten und ansehen,
wenn sonst niemand mehr da ist, der nach mir fragt?
Wirst du auch meine Seele mit deinem Licht erleuchten,
wenn sich Schatten auf mein Herz legen?
Wirst du meinen Schrei hören, der kaum mehr Worte für die Verlassenheit findet,
die sich verzweifelt in Sprache bringen will?
Wirst du da sein in diesen Momenten; in diesen langen Momenten; in diesen Ewigkeiten?
So sprich dein „Fürchte dich nicht!“ hinein in meine Einsamkeit!
So sprich dein „Sei getrost!“ hinein in meine Unruhe!
Lass mich die Verheißung entdecken, die du einmal über mein Leben ausgesprochen hast.
Ob ich lebe oder sterbe, so bin ich doch dein – in allem, was da kommen mag.
AMEN.

Gütiger Gott, ich habe schon fast vergessen, wie es ist, allein zu sein.
Vom Aufstehen bis zum Schlafengehen umgeben mich Menschen:
Die Kinder, die Arbeitskollegen, wieder die Kinder, mein Partner/meine Partnerin.
Ich möchte keinen von ihnen missen. Ich liebe sie.
Und doch…
Ab und zu eine Stunde der Ruhe.
Ein Abend nur zu zweit.
Ein gutes Buch zum Atemholen
Weiß ich noch, wie Stille klingt?
Gott, lass mich im Fluss der Tage nicht mich selbst verlieren.
Gib mir ein feines Gespür für meine Bedürfnisse – und anderen auch.
Schenke mir immer wieder Freiräume für mich, damit ich dann wieder ganz für meine Lieben da sein kann.
Lass mich aus deinen Quellen schöpfen, Gott.

Gott, wie gut ist es,
nicht jede Entscheidung alleine fällen zu müssen.
Menschen zu haben, auf die ich mich verlassen kann
und mit denen ich mich austauschen kann.
Gott, wie gut ist es, zusammen zu lachen,
zu weinen, Sorgen und Freude zu teilen.
Gott, ich danke dir für meine Familie.
Für die Sicherheit und die Geborgenheit, die wir uns geben.
Ich bitte dich, behüte uns. Lass uns nie vergessen, wie wichtig wir einander sind.
Amen

Nach so vielen Jahren
Kinderweinen
Lachen,
Sorgen,
Lernen,
Schule,
Frühes Aufsehen
und Streitschlichten
wieder zu zweit.
Haben wir uns noch etwas zu sagen?
Wie werden wir unsere Zeit nutzen?
Was wird aus unseren Kindern?
Gott, hilf uns loszulassen
Und stärke unsere Liebe.
Amen.

Wir leben Wand an Wand
In einem Haus oder Tür an Tür.
Aber wen kenne ich wirklich?
Die alte Frau aus dem 3. Stock oder den Studenten von gegenüber?
Kenne ich ihre Namen? Ihre Geschichten? Ihre Traurigkeit?
Würde ich es merken, wenn sie einmal fehlen?
Guter Gott, gib mir Achtsamkeit für die, die mir Tag für Tag begegnen.
Ein offenes Herz und ein offenes Ohr.
Lass uns einander freundlich, nicht misstrauisch begegnen.
Amen

02.07.2014
Anne Lüters