Morgengebete

Den Tag begrüßen

„Ich habe heute viel zu tun, darum muss ich heute viel beten“, soll Martin Luther gesagt haben. Mit Recht: Wer mit einem Gebet den Morgen beginnt, startet konzentrierter und aufmerksamer in den Tag.

Für zahlreiche Menschen ist die erste Stunde nach dem Aufstehen die wichtigste am ganzen Tag. Sie versuchen, sie ganz bewusst zu gestalten – mit Sport, einer guten Lektüre, einem ausführlichem Frühstück oder eben einem Gebet, mit dem sie sich auf den Tag vorbereiten und ihn Gott anbefehlen. Viele lesen zu dieser Gelegenheit die tägliche Losung oder einen Abschnitt aus der Bibel.

Jörg Zink schreibt: „„Die großen Lehrer der Meditation und des geistlichen Lebens weisen uns immer wieder auf die erste Morgenstunde hin und sagen: Nimm den Anfang des Tages wahr, er ist die Stelle, an der du die Ewigkeit berührst. In der Tat wäre uns in vielen Nöten und Krankheiten des Leibes und der Seele geholfen, wenn es uns gelänge, die erste Morgenröte von Eile, von Lärm und Ärger freizuhalten. Der Lauf des Tages hängt im Allgemeinen nicht von unseren persönlichen Vorstellungen ab. Er wird uns aufgezwungen. Aber der Anfang sollte uns gehören.“

Luthers Morgensegen

Des Morgens, wenn du aufstehst, kannst du dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen:
Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen.
Darauf kniend oder stehend das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser. Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen:
Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, dass dir all mein
Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen.
Alsdann mit Freuden an dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was dir deine Andacht eingibt.

Nach schlafloser Nacht

Wenn dunkle Gedanken
und Angst machende Träume
mir in der Nacht den Schlaf geraubt haben
und ich morgens nicht aus dem Bett komme,
dann,
Gott,
öffne du mir die Augen
und muntere mich auf
mit dem hellen Schein der Sonne
und dem heiteren Gesang der Vögel,
dass ich nicht mehr denken muss an das,
was mich eben noch bedrückt hat,
und den Tag
entspannt,
fröhlich
und zuversichtlich
beginnen kann.

Ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel

Herr, ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel.
Die Nacht ist verflattert, und ich freue mich am Licht.
So ein Tag, Herr, so ein Tag.
Deine Sonne hat den Tau weggebrannt
vom Gras und von unseren Herzen.
Was aus uns kommt und was in uns ist an diesem Morgen -
alles ist Dank.

Herr, ich bin fröhlich heute am Morgen.
Die Vögel und die Erde jubilieren, und ich singe auch.
Das All und unsere Herzen sind offen für deine Gnade.
Ich fühle meinen Körper und danke.
Das Meer rollt gegen den Strand, ich danke.
Die Gischt klatscht gegen unser Haus, ich danke.

Herr, ich freue mich an der Schöpfung
und dass du dahinter bist und daneben
und davor und darüber und in uns.
Ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel.
Ein neuer Tag, der glitzert und knistert,
knallt und jubiliert von deiner Liebe.
Jeden Tag machst du. Halleluja, Herr!

(Gebet aus Westafrika)

Morgengebet Dietrich Bonhoeffers

Gott, zu dir rufe ich in der Frühe des Tages. Hilf mir beten und meine Gedanken sammeln zu dir; ich kann es nicht allein. In mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht; ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht; ich bin kleinmütig, aber bei dir ist die Hilfe; ich bin unruhig, aber bei dir ist der Friede; in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist die Geduld; ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den Weg für mich. Vater im Himmel, Lob und Dank sei dir für die Ruhe der Nacht, Lob und Dank sei dir für den neuen Tag. Lob und Dank sei dir für alle deine Güte und Treue in meinem vergangenen Leben. Du hast mir viel Gutes erwiesen, lass mich nun auch das Schwere aus deiner Hand hinnehmen. Du wirst mir nicht mehr auflegen, als ich tragen kann. Du lässt deinen Kindern alle Dinge zum Besten dienen. Herr, was dieser Tag auch bringt, dein Name sei gelobt! Amen.

Gott erfülle den Tag mit seinem Glanz

Ewiger Gott,
am Morgen des neuen Tages strecke ich mich nach Dir aus.
Deine Liebe möge jede Begegnung durchfluten, die der Tag bringt;
Deine Fürsorge möge alle Schritte geleiten, die zu gehen sind;
Dein Trost möge die Herzen bewegen, die Schweres tragen;
Deine Hingabe möge die Seele ermuntern, im anderen Menschen
Dich selbst zu entdecken.
Herr, guter Gott,
Dein freundlicher Segen strahle auf an diesem Tag und erfülle ihn mit Deinem Glanz.
AMEN.

Leben in Gottes Licht

Die Nacht ist vergangen, ein neuer Tag ist herbeigekommen.
Lasst uns wachen und nüchtern sein und ablegen, was uns träg macht.
Dass wir leben in Deinem Licht und dich preisen, unsern Gott.
Vom ersten Morgenlob an, bis zur Ruhe der Nacht. Amen

Dank für den neuen Tag

Guten Morgen, mein Gott. Ich freue mich auf den Tag. Ich lebe gern. Das will ich dir sagen.
So geht es heute nicht allen. Darum gib mir strahlende Augen, hilfreiche Hände, aufmerksame Ohren, wärmende Worte, behutsames Schweigen, einen Blick für das, was zwischen den Zeilen steht, und eine ansteckende Fröhlichkeit. Schenke mir ein klares Gedächtnis für mein Wohlgefühl heute, damit ich mich erinnere, wenn ich selbst mal elend bin. Zwischen Licht und Dunkel wandern wir alle zu dir .Guten Morgen, mein Gott. Ich lebe gern. Danke für diesen Tag. Amen.

„Lass uns wach sein für Dich“

Du hast den Tag
für uns anbrechen lassen,
o Gott, zum Lob Deines Namens.
Du willst unser Wirken.
Du willst unseren Dienst.
Du bestimmst unser Ruhen.
Herr Jesus Christus, wir bitten Dich:
Lass uns wach sein für Dich.
Lass alles in uns zur völligen Reife kommen
und unsere Tage nicht glanzlos dahingehen.
Du willst bei uns sein in allem Schaffen,
dass unser Tun nicht umsonst sei,
sondern dass das Zeugnis Deines Wortes
und Deiner Liebe darin erfunden werde.
Die Kraft Deines Sieges und Deiner Liebe
erleuchte unsere Tage.
Wir danken Dir,
dass Du Raum unter uns machst,
dass unsere Knöchel nicht wanken.

Hanna Hümmer, Lass leuchten mir Dein Angesicht,
© Christusbruderschaft Selbitz, Buch- & Kunstverlag, 1995


26.06.2014 / Anne Lüters